Bernd Maywald, D-14913 Jüterbog, Planeberg 79 * (03372) 44 239 24 * info@berndmaywald.de  


 
 

                                                                                                                                                                                          

 

 

DDR-Rock- und Pop-Geschichte in konzentrierter  Form. Allerdings  ohne jene drei Leute,  die in fast allen jetzigen TV-Sendungen  darüber reden...  

Im Booklet zu dieser DVD  ist eine Kurzfassung der turbulenten Geschichte dieser Sendereihe zu lesen. Und es wird  dort angeboten, die ganze NOTENBANK- Story hier lesen zu können,

 

oder sie kostenlos zu erhalten über diese Mailadresse:

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         info@berndmaywald.de               

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Ein Muß für an der DDR-Musikgeschichte interessierte Leute.

Also entweder hier weiterlesen oder mir mailen. Dann wird die Story  als PDF-Datei, illustriert mit Fotos, umgehend zugeschickt.

Wer die auf dem Cover genannten Leute kennt (es sind aber noch mehr dabei), der weiß, daß damit exzellente Musik garantiert ist. 

Viel Freude bei der DVD-NOTENBANK-Auswahl aus allen Folgen dieser Sendereihe von 1969 bis 1972 wünscht allen Deutsch-Rock-Fans Bernd Maywald.

 

Weitere Infos zu dieser "Skandal-Sendung" sind zu erfahren

 unter "Deutsche Mugge"


Hier nun die komplette Story:

 


 

 

Zufall  NOTENBANK

 

Diese Fernsehsendereihe entstand eher zufällig als jahrelang geplant. Ich war Regieassistent bei der Berlin-Adlershofer Fernsehunterhaltung und filmte privat auf 8mm-Film. Nun wollte ich unbedingt mal einen 8mm-Film mit Originalton und Musik-Playback drehen. Dafür bastelte ich aus verschiedenen handelsüblichen Geräten ein Monstrum, von dem jeder Fachmann sofort wusste, dass das niemals funktionieren könnte. Funktionierte trotzdem. (Was das für ein Monstrum war, erfährt man in meinem YouTube-Video

"Wunderbarer Teufelsapparat".)  

So suchte ich 1964 in Berlin nach einer Band, die bereit wäre für „null-komma-nischt“ mitzumachen. Durch die Presse ging gerade DIANA SHOW  aus Gründen, die allen DDR-Musikkennern bekannt sein werden, hier also nicht noch mal nachgeplappert werden sollen. Mit dieser Band traf ich mich in ihrem Kaulsdorfer Probenraum und im berühmten Jugendklub Freundschaft in der Fredersdorfer Straße am Berliner Ostbahnhof. Sie sagte ja. In einem Studio des Fernsehfunks konnten wir kostenlos Musikaufnahmen machen. Der Berliner Schmalfilmclub im Kulturbund half mir, und andere freundliche Zufälle wirkten mit. So entstanden 1965/66 jene zwei Filme, aus denen Ausschnitte im Bonus „Entstehung der NOTENBANK“ dieser DVD zu erleben sind.

Und so, wie in dem Bonusbeitrag mit Diana Show  genauer zu erfahren ist, ging es weiter: Ich schlug meinem Chef vor, eine Sendereihe zu starten, zu der vor allem, aber nicht nur, sich Amateurbands  bewerben könnten, um beim DFF ihre Fernsehkarriere zu starten. Meine Bedingung: nur deutsche Liedtexte. Nicht weil ich das „gemusst hätte“, sondern weil ich, der parteilose Maywald, das wollte. Gewissermaßen als Gegenstück zum bereits vorhandenen Beatclub, in dem international bekannteTitel und Interpreten  vorgestellt wurden.

In der NOTENBANK sollte nur bis dahin unbekanntes zu hören sein. Erstaufnahmen mit möglichst allen mitwirkenden Bands und Solisten. Auch insofern als Gegenstück zum Beatclub, dass ich der perfekten Beatclub-Bild-Tricktechnik eine Sendung fast ohne Dekoration gegenüber stellen wollte, ähnlich der Jugendklub-Atmosphäre, in der die mitwirkenden Bands auch sonst auftreten.

 

Die zweifache Erstproduktion

 

Mein 1968/69 amtierender Unterhaltungs-Chef empfahl mir ein Exposé zu schreiben und es ihm vorzulegen. Ich tat es.  Er gab meine Idee zur Produktion frei. Und so kam es zur Pilot-produktion der ersten Folge DIE NOTENBANK 1969. Allerdings zweimal.  

Bei der Erstproduktion im DFF-Studio Berlin-Rauchfangswerder waren die Haare des männlichen Publikums zu lang. (Beim Beatclub mussten auch alle brav aussehen.) Deshalb wurde die Produktion sofort wieder- holt im Studio 7 auf dem Adlershofer Fernseh-gelände. Ablauf identisch, doch diesmal mit brav frisierten Lehrlingen des DFF und der Studiotechnik Fernsehen.Wir wollten den Sendestart nicht wegen solcher Mecker-themen Berufsjugendlicher gefährden. Diese Sendung legte sich noch nicht fest auf ihren endgültigen Charakter. Sie war ein Beat-Lied-Schlager-Gemisch mit Profis und Amateuren. Zusammengesucht von uns (z.B. im Berliner Knaackclub), deshalb überwiegend  mit Berliner Musikanten gestaltet.

Die schärfste Band hatte ich besorgt, nämlich JOCODEV. In dieser Band kannte ich bereits Jörg Schenkel, vorher Bassist bei  Diana Show.  Hauptsache für uns war, den Sende- titel ins Zuschauergespräch zu bringen. In dieser Erstsendung wurden von Moderatorin IRINA VELDRE und Moderator THOMAS LÜCK  vor allem Amateur-Bands aufgefordert, sich zu bewerben. Alle Bezirkskulturhäuser in der DDR erhielten Rundschreiben, um diese an dort bekannte Bands weiterzureichen.

Das Echo auf die Erstsendung war sehr positiv. Der Beschluß wurde gefaßt, aus meiner Idee eine Serie zu machen.

 

NOTENBANK-Schallfolie –

in Moskau gepresst

 

Das kam so: Damals gab es als Beilage zur sowjetischen Zeitschrift Sputnik Schallfolien mit Volksliedern aus der ganzen Sowjetunion. Diese Folien waren ein ursprünglich französi- sches Patent. Allerdings rentierte sich diese Technik nur bei hohen Auflagen.   Für mittel-europäische Verhältnisse also unrentabel, für eine weltweit vertriebene Zeitschrift wie Sputnik aber wie gerufen. Von der Notwendig- keit einer hohen Auflage wussten wir noch nicht, als wir uns erkundigten, ob so etwas für die NOTENBANK möglich wäre. Pro Sendung wollten wir eine Schallfolie herstellen.

 

 

Gemeinsam mit dem Verlag Junge Welt gelang uns zunächst ein erstes Exemplar, das an den Zeitungskiosken zu haben war.

Auf der DVD wird diese Schallfolie in Zusammenhang mit JocoDev kurz erwähnt. Wir verzichteten damals jedoch auf weitere Folien, weil der damit verbundene Arbeitsaufwand für unser kleines Team unverhältnismäßig hoch gewesen wäre.

 

Zweite Produktion mit gutem Start

 

Die zweite Sendung, nach der Pilotsendung also eigentlich die erste Folge einer Serie, wurde vorbereitet. Das lief dann unter einem Chef-Nachfolger genauso gut. Und dies bereits mit einer Auswahl von sich beworben habenden Bands.

Das Hauptproblem waren die von mir in deutsch erwünschten Texte. Da musste mancher Text neu geschrieben werden. In der Eile steuerteu.a. ich selbst Texte bei. Da ahnte ich noch nicht, dass dies für mich nach einiger Zeit zum vielbeschäftigten Rocklyrics- und Balladenschreiber für Bands im In- und Ausland führen würde.

Redaktion und Regie oblag bei erster und zweiter Sendung mir, unterstützt von einem Musikredakteur. Fast alle Sendungen haben Reportagecharakter und wurden von mir trotzdem auf die Sekunde genau inszeniert. So auch die nun produzierte zweite NOTENBANK in der Hallenser Moritzburg, im damaligen Fernsehtheater. Als Musikredakteur hatte ich den bekannten Musiker JÜRGEN HEIDER gewonnen. Leider kam er während der Produktion durch einen Autounfall ums Leben. KARLHEINZ RÄTZ, genannt Charlie, löste ihn ab.

 

Zwei weitere Zufälle –

diesmal mit HENRY HÜBCHEN

 

Sämtliche Titel für diese zweite Sendung wurden vom DFF neu produziert als Gast in den Rundfunkstudios in der Berliner Nalepastraße. In Studios, die, in den 1950er Jahren erbaut, bis heute zu den akustisch besten Studios der Welt gehören. Zu den Bands, die sich beworben hatten, gehörten auch die Berliner CONTINENTELS.  Ein Mitglied dieser Band war privat mit HENRY HÜBCHEN bekannt. So geschah es, dass diese Band den von Hübchen komponierten Titel „Als ich sie heut geseh’n“ arrangiert hatte und Hübchen als Sänger dieses Titels begleitete. Soweit der erste Hübchen-Zufall.

 

Ebenfalls eingeplant waren für diese Sendung die Magdeburger KLOSTERBRÜDER.  Erster aber nicht letzter Fernsehauftritt dieser Magdeburger Studentenband. In ihrer Gegend bereits bekannt, hatte auch sie noch nie ein Rundfunk- oder Fernsehstudio von innen gesehen. Wir produzierten mehrere Titel mit dieser Band, darunter einen nur als Urband, also Musik komplett ohne Text, weil bis zum Musikproduktionstag noch kein Text vorlag. Die Band war längst wieder zuhause, da schrieb ich einenText dazu und wir suchten nun einen Sänger.

Henry Hübchen war für seinen eigenen Titel ohnehin schon eingeplant. Da fragten wir ihn, ob er auch diesen „Straßenbahn“-Titel der Klosterbrüder  singen würde. Und so geschah es. Die Klosterbrüder und Henry Hübchen lernten sich dann erst bei der Fernseh-produktion in Halle/S kennen. Also fast zufällig.

Ebenfalls dabei war die Potsdamer Band TEAM 70 (Bandleader HELMUT SCHULTE) mit der Sängerin Barbara Folz. Titel: „Winter ade“. Barbara Folz? Nie gehört? Nicht so schlimm. Später aber hieß sie und heißt heute noch BARBARA KUSTER.  

Auch noch nie gehört?  

Das geht nicht! Von ihr noch nichts gehört zu haben hieße das Wort Musikkabarett nicht zu kennen. Bei ihrer gewaltigen Stimme denkt man unwillkürlich an Tina Turner.  

 

Immer noch die zweite Produktion –

und eine Katastrophe

 

Die zweite Folge war im Kasten und sollte im Februar 1970 auf den Sender gehen. Wiederum Chefwechsel.

Vom scheidenden Chef bereits freigegeben, wollte der neue Chef, frisch vom Rundfunk eingeflogen, die in der Zeitschrift ganzseitig beworbene Sendung mit der neuen Modera- torin EVELYN OPOCZYNSKI, als Schau-spielerin bereits sehr bekannt, zehn Stunden vor geplanter Ausstrahlung nochmal sehen.

Ergebnis:  

Das dürfte keinesfalls gesendet werden!

Das sähe ja aus wie „Kellerkinder DDR“ (eben Klub- atmosphäre…). Der Rundfunkmensch hatte vom Fernsehen noch keine Ahnung, wußte sicher auch gar nichts vom Fernsehtheater Halle/S.

 

Kurz: eine Ersatzsendung wurde ins Programm genommen.

Diese Entscheidung fiel vormittags gegen 10.30 Uhr. Um 21.30 Uhr war der Sendetermin.

 

Ich gab noch nicht auf. Mit der Filmbüchse unterm Arm fuhr ich von Adlershof zum ZK der SED nach Stadtmitte. Dort sprach ich bei der Anmeldung vor und wollte zur Abt. Agit- Prop vordringen. der dem Fernsehfunk über- geordneten Instanz. Damals unter der Leitung von WERNER LAMBERTZ.

Es wurde im Hause telefoniert mit dem Ergebnis, ich solle noch mal nach Adlershof fahren, man habe den dortigen Chef informiert und es würde noch mal ein Gespräch statt-finden. Also retour. Die ganze Bereichsleitung  Unterhaltung saß mir gegenüber, ein Kampf-gruppenkommandeur stürmte noch zur Tür herein, mich (mit Worten) unterstützend.  

Es blieb beim Nein.

 

Zwei Jahre Tag-und-Nacht-Arbeit waren zerstört.  

Im Mülleimer.

Und ich eigentlich auch.

 

Zur Sendezeit lief ein Ersatzprogramm und ich lag volltrunken und heulend zuhause auf dem Teppich, mir die Ansage zum Ersatzprogramm nur mühsam anhörend.

Der tiefste Tiefpunkt meiner gesamten Fern- sehkarriere davor und danach war erreicht. (Siehe auch mein Buch Besichtigung einer Windmühle  Eulenspiegel Verlag Berlin 1986/1990, in dem der DFF den Namen „LIOS“ erhielt, bedeutend: "Licht Ohne Schatten".) Danach kümmerten sich Neurologe und Psychologe um mich. Ich war zunächst arbeitsunfähig. Schließlich rappelte ich mich auf und schrieb einen sehr ausführlichen Brief in dieser Sache an die ZK-Abteilung Agit- Prop. Dies eingedenk des Umstandes, dass Genossen zwar ihre Parteiaufträge kriegten, die Partei aber stets betonte, dass sie Parteilosen gern helfe. Zunächst kam nur eine Empfangsbestätigung zurück.

Von Kolleginnen im DFF-Orgbereich, wo auch Termine für Filmvorführungen im Hause ver- geben wurden, erfuhr ich, dass sich „Leute mit der Kostenstelle des Intendanten die Sendung angesehen“ hätten.

Es war also irgendwas im Gange.

 

Viel später erfuhr ich, dass  außerdem „Leuten in schwarzen Limousinen“ der Film im Astra-Kino in Berlin-Johannisthal über Monitore gezeigt worden sei, ohne dass ich dazu eingeladen wurde. (Vermutlich mitorganisiert von einem strammen Volontär, dessen über 1990 hinausreichende Karriere dann ein sehr klägliches Ende nahm.)

 

Sieg der Vernunft

 

Im Spätsommer 1970 erreichte mich der Anruf eines Agit-Prop-Mitarbeiters des Inhalts, dass sich mein Chef die Sendung noch mal ansehen würde und dass er denke, es würde sich eine gute Lösung finden. Die Lösung hieß, dass sich dieser Chef die unveränderte Produktion nochmals ansah und dann sofort fast wortlos die Freigabe zur Ausstrahlung im Dezember 1970 unterschrieb. -  

Die eigentliche Entscheidung hatten ihm wohl andere abgenommen…  -  

Von da an war dem „Erfinder der NOTENBANK“ der Weg zunächst frei.    

 

  

am 26. Februar 1970 wegen Dekadenz abgesetzt  und am 5. Dezember 1970 unverändert gesendet.


 

  

Der große Trick

 

Vom zweiten Trick-aus-Erfahrung wird später zu lesen sein.  

Der erste verlief so:

Es ging nun zügig weiter. Die Redaktion der Sendung übernahm zunächst eine Kollegin.  Regie plus Redaktion wäre auf Dauer für mich allein auch zuviel gewesen. Die nun dritte Folge durfte ich allerdings noch nicht wieder per Film, sondern musste sie elektronisch produzieren.

Grund: damals hatten die Filmkameras noch keine Extramonitore, auf denen Chefs verfolgen konnten, wie wir gerade filmten. Es war ja noch "richtiger Film" auf Zelloluid.  

Bei Live-Produktionen war ein Monitor für Regie und Mitgucker selbstverständlich. Für drei Studio-Kameras auf den damals riesigen Stativen war der diesmal von der Redakteurin vorgeschriebene, viel zu kleine Drehort (Müggelbaude Berlin) eigentlich Unfug. Wir könnten damit auch die lockere Klub- atmosphäre nicht hinkriegen. Andererseits wollte ich die Fortführung der Sendereihe zunächst sichern. 

Ich trickste.

Der Betreuer der damals einzigen Live- Handkamera des DFF war mir gut bekannt. Für den Fall, dass er nicht unbedingt woanders hin müsste, vor allem zu Sport-Übertragungen aus Leipzig oder Tokio, wollte er im Ein- vernehmen mit seinem Technikchef (der ebenfalls NOTENBANK-Fan war) zu uns kommen. Wir begannen zu proben ohne zu wissen, ob VOLKER HEINDORF mit seinem Handkamera-Extra-Übertragungswagen noch auftauchen würde.  "Unangemeldet" kam er  dann. Die anderen Kameramänner grienten. Da hat es wohl der Maywald wieder mal hingekriegt. Wir produzierten also ad hoc, doch heimlich schon drauf vorbereitet, und fast ungeprobt mit der Handkamera. DIE NOTENBANK wurde dadurch von der optischen Umsetzung her wieder so wie sie sein sollte. Siehe z.B. Titel „FATA MORGANA“ und „STAPELLAUF“ mit JOCODEV.  Letztgenannter Titel musste zwar wegen „Dekadenz“ herausgeschnitten werden, wurde auch niemals später vom DFF gesendet, war aber inzwischen auf AMIGA-LPs und in den Hitparaden des Rundfunks längst ein Renner. Dieses Stückchen Sendung, gedacht für den Papierkorb, bewahrte ich gut auf.

Auf dieser DVD fehlt der „Stapellauf“ also nicht!

Wenn auch technisch nicht allzu gut, was daran liegt, dass die ganze Sendung eigent- lich nicht mehr existiert, ich aber wohlweislich und unauffällig eine sogenannte BFA anfertigen ließ. Das ist die Filmkopie einer Livesendung. In dieser damals noch von allen TV-Sendern verwendeten Variante der Schwarzweiß-Aufzeichnung technisch schwacher Qualität sind z.B. auch die ersten Auftritte von Eberhard Chors, Herricht und Preil und von Da lacht der Bär  erhalten.

 

Den von der Redakteurin der dritten Folge dringend erbetenen Kamin, der eigentlich überhaupt nicht zur NOTENBANK paßte (siehe "Ein Brief nur so" mit FRIEDEMANN KOLBERG), schleppte ich aus Trotz und zum Jux durch alle folgenden Sendungen und stellte ihn immer da hin, wo er am allerwenigsten hinpaßte.

Siehe SCIROCCO-Start  auf einem Berg, siehe SKALDOWIE usw. 

   

Von der vierten Folge an drehten wir wieder mit einer Film-Handkamera. Die Redakteurin wurde von einem Redakteur abgelöst. Dieser begrüßte mich mit den Worten:

„Weeßte, wir sollen uns nämlich streiten.“

Damit war klar: dieser Wunsch des Chefs würde unerfüllt bleiben.

 

Als Drehort für die vierte Folge wählten wir das Haus für Kultur und Bildung in Neubrandenburg, in dem ich bereits 1967 einen Fernsehfilm produziert hatte. Alles lief plangemäß. Mit der MODERN BAND in Starbesetzung (z.B. HANSI BIEBL, CONNY BAUER, ULRICH GUMPERT, HUGO LAARTZ), mit BAYON und anderen Bands.

 

Im gleichen Hause produzierten wir einige Wochen später die fünfte Folge mit SCIROCCO und der HORST-KRÜGER-BAND.

Also mit nur zwei Bands.

Die noch nicht so heißende Band Scirocco  hatte sich beworben und brachte musikalisch runde Titel mit, dank unserer Hilfe neu betextet. Doch nun erfolgte mein neuerTrick:

 

 

„Erpressung“ des Deutschen Fernsehfunks

 

Und der DFF konnte nichts dagegen tun.  

Das kam so:  

Die Band SCIROCCO gab es eigentlich gar nicht. Denn sie spielte bis dahin unter einem anderen Namen. Bei irgendeiner Tanzveran-staltung hatte es im Publikum eine Keilerei gegeben, wie auf dem Dorf seit Jahrhunderten fast Vorschrift, danach hatten alkoholisierte Jugendliche paar Gläser mit sauren Gurken geklaut.  Daran  konnte  gemäß  Provinz-behörden-Niveau   natürlich   nur   die „aufputschende Musik“ der Band schuld sein. Sie erhielt Spielverbot, bewarb sich trotzdem bei uns und verriet auch ihren problemati- schen Status.  Nun in Kenntnis der Affäre schlugen wir der Band vor, sich einen neuen Namen zuzulegen und damit das Spielverbot außer Kraft zu setzen.

Jedenfalls für die NOTENBANK.

Der Name Scirocco wurde geboren, die Sendung  produziert, die Werbung lief an.

Vor allem die Werbung in der „FF dabei“ mit Millionenauflage.

Einen Redakteur dieser Zeitschrift konnte ich überreden, zur Werbung ein möglichst großes Foto von SCIROCCO  zu verwenden, das ich ihm geliefert hatte.  Er tat es.

 

 

So erfuhr das für diese Musiker zuständige Zossener Kreiskulturamt per FF-dabei-Foto, wer und was sich hinter dem Namen Scirocco verbarg. Und schon sprach das Behördchen empört beim Fernsehfunk vor. Es kam zum Gespräch. Ergebnis ungewiss.  Es folgte ein DFF-internes Gespräch zwischen meinem wiederum neuen Chef, dem stellvertretenden Intendanten und mir. 

Scirocco rausschneiden?

Das ging nach der Werbung nicht mehr. Die ganze Sendung ausfallen zu lassen, das ging sowieso nicht mehr, weil man wusste, dass „weiter oben“ ebenfalls zugeschaut werden würde. Mein direkter Chef bezeichnete diese seine Hilflosigkeit mir gegenüber wütend als Erpressung. Und bestand auf einem kaderaktenkundigen Verweis für mich. Der stellvertretende Intendant Host Pehnert allerdings schaute mich weniger bärbeißig an.  

 

Der Erfolg von „SAGEN MEINE TANTEN“, dieses Scirocco-Starttitels, war nicht mehr zu bremsen. Die filmische Vorstellung dieser Band am Sendeanfang und die optische Gestaltung ihres Titels „WEGE MIT GUTEM NAMEN“ gehören für mich zum besten, was ich je auf den Bildschirm gebracht habe.

Etwas später fragte ich in der Kaderabteilung an wegen des Verweises. Dieser war dort nie angekommen.  

Der stellvertretende Intendant hatte das wohl „vergessen“, weil ihm aus seiner vorherigen Arbeit als Chefredakteur einer Jugendzeitung das wirkliche DDR-Jugendleben besser bekannt war als meinem Abteilungsleiter. - 

 

Nach Ausstrahlung dieser fünften Folge im Spätsommer 1971 wurde dem Deutschen Fernsehfunk von der Bezirksparteileitung Neubrandenburg der SED für den gesamten Bezirk verboten, nochmals eine ähnlich „dekadente und jugendverderbende“ Sendung zu produzieren.

Ein Verbot durch eine untergeordnete Bezirks-Partei-Instanz gegen den dem  ZK der SED direkt unterstellten Deutschen Fernsehfunk.  

Skurriler gings kaum. 

Nichtsdestotrotz planten wir für die Stadthalle Neubrandenburg ein großes NOTENBANK-Konzert. Die Chefin der Halle fand das gut.

 

 

Das nicht stattgefundene große Konzert

 

 

Drei Bühnen nebeneinander sollten es sein, um Umbaupausen einzusparen und um drei Bands abwechselnd spielen zu lassen. Damit es also musikalisch bunter würde, als wenn die Bands brav nacheinander je dreißig Minuten durchspielen müssten.

DDR-Bands und eine polnische Band waren bereits engagiert, die Plakate schmückten in und um Neubrandenburg die Litfaßsäulen und jedes zweite Schaufenster. Plötzlich stellte mein „zeitweiliger“ Chef fest, dass irgend-welche Wahlen bevorstünden. Da wäre es nicht gut,  kurz  vorher  so  etwas  zu veranstalten. Da könnten sich ja Leute „zusammenrotten“. Ob diese Ausrede nun im Kopf meines DFF-Chefs geboren worden war oder der Zusammenrottungs-Quatsch aus dem Hause der Neubrandenburger SED-Bezirks-leitung  kam, das sei dahingestellt. -  

Also Pustekuchen.

Das Plakat hat jedoch die Zeiten überdauert. Es schmückt jetzt die große

 

Dauerausstellung  

„ES GAB NICHT NUR DEN SCHWARZEN KANAL –  

Streiflichter aus 39 Adlershofer Fernsehjahren“ auf dem Funkerberg in Königs Wusterhausen,

 

der Wiege des Deutschen Rundfunks, und wurde Vorlage für das Cover dieser DVD.

 

        

 

 Zweiter erster Fernsehauftritt der Puhdys

 

Der DFF hatte nach dem kompletten Raus- schmiß aus Neubrandenburg eine sehr mutige Idee. Wir fragten an im „Roten Kloster“, in der Jugendhochschule der FDJ am Bogensee. Wenn man zusagen würde, dort die nächste NOTENBANK-Sendung zu produzieren, dann sähen  die  Neubrandenburger  Partei-funktionäre reichlich alt aus. Nach kurzer Bedenkzeit sagte man am Bogensee Ja.  

 

In Neubrandenburg hatten sich die Türen geschlossen, am Bogensee starteten die PUHDYS die sechste NOTENBANK-Folge mit ihrem Titel

„TÜREN ÖFFNEN SICH ZUR STADT“.

 

Gründlicher konnte die Ohrfeige für jene Neubrandenburger Steinzeitler wirklich nicht sein, stimmts ?

Für die NOTENBANK behaupte ich der Puhdys ersten großen Fernsehauftritt. Das ist richtig. Ihren tatsächlich ersten Fernsehauftritt hatten sie zwei Wochen vorher in „Basar“. Von dieser Sendung der Jugendredaktion für nur jugend- liche Zuschauer ist jedoch nichts erhalten geblieben. Unsere NOTENBANK, bei der Fernsehunterhaltung angesiedelt, erreichte somit ein viel größeres Publikum. Und es gibt diesen Auftritt noch. Wenn auch wiederum nur dank von uns veranlasster technischer und anderer Tricks. Aber das war inzwischen „normal“, keiner weiteren Rede wert…

Die Puhdys dagegen bestanden darauf, auf ihrer 40-Jahre-DVD die nicht mehr vorhandene Basar-Sendung neu zu erfinden. Sie fügten einen technisch so miserablen Ausschnitt aus ihrem NOTENBANK-Auftritt ein, dass der in der Dekoration enthaltene Schriftzug „NOTENBANK“ nur noch für Kenner zu entziffern war und gaben einige Sekunden mit Chris Wallasch aus irgendeiner anderen Sendung hinzu, den man aber darin nur sieht, also nicht hört. So großen Wert legten die Puhdys noch nach vierzig Jahren auf den zweiwöchigen (!) Sendeabstand trotz des sehr verschieden großen Publikums.  

Nein, nein, ich bin ihnen nicht böse. Aber erlaube mir frech, ihren NOTENBANK-Auftritt weiterhin als ihren ersten großen Fernsehauftritt zu bezeichnen. 

Die Jungs mögen mir das verzeihen. –

 

Die Dresdner Band ELECTRA war vor Mit- wirkung in der NOTENBANK bereits mehrfach fernsehvertreten. Der Student GUNTHER EMMERLICH allerdings hatte an diesem Tag gemeinsam mit der Weimarer Studentenband COR seinen ersten Fernsehauftritt. Da erfuhren wir, Regisseur und Grafikerin, nur bruchstückhaft die tatsächliche Schreibweise seines Namens, weshalb das Dekoschild mit seinem Namen etwas unvollkommen beschriftet war. Das fehlende zweite „m“ haben wir fix noch über das vorhandene „m“ gemalt, vom „h“ im Vornamen erfuhren wir erst nach der Produktion. Die Schuld daran schiebe ich natürlich auf den Redakteur. Um Missverständnissen vorzubeugen: mit ihm arbeitete ich ansonsten gut zusammen. Eine ihn betreffende Kuriosität soll später noch erwähnt werden. Zunächst aber

 

Eine fast zweite Katastrophe

 

Die sechste NOTENBANK, also die mit den Puhdys, electra, Emmerlich und GISELA DREßLER, stand für November 1971 im Fernsehprogramm. Die redaktionelle Abnahme erfolgte durch meinen neuen, d.h. durch den als neuer Chef zurückgekehrten alten Chef aus Zeiten der NOTENBANK-Katastrophe vom Februar 1970. Ein unserer Sendung bekanntlich nicht sonderlich gewogener Mann. Die ganze Sendung gefiel dem Chef wiedermal nicht so sehr. Den  Kontakt nach Bogensee hatte nicht er eingeleitet. Das war wiederum sein Vorgänger. Doch nun gefiel der Abteilung Kultur beim Zentralrat der FDJ, der ja auch die Jugendhochschule am Bogensee unterstand, die fertige Sendung gut. Dagegen kam er nicht an. Und der zweite Puhdys-Titel in der Sendung hieß "Geh' dem Wind nicht aus dem Wege".

 

  

Nun sollte ich, ohne eine Begründung dafür zu erfahren, zwei Stunden vor Ausstrahlung der Sendung auf Weisung jenes Chefs diesen Titel unbedingt herausschneiden.  

Das war mit der uns damals zur Verfügung stehenden Technik und aus Schnitt-Termin- Not, zeitlich fast unmöglich.

Wußte der Chef das?

Wollte er nun versuchen, die Sendung „aus technischen Gründen“ zu Fall zu bringen?

Und damit die positive Meinung des FDJ- Zentralrats torpedieren?

Dieser Meinung schienen außer mir auch die Techniker zuzuneigen, die den Schnitt vor- nehmen sollten. Trotz der technischen Probleme schafften sie es bei vollstem Einsatz.  Wenige Sekunden, bevor die Ansagerin bekanntgeben mußte, was nun gesendet wird, konnte Techniker THOMAS PÖHLAND  die NOTENBANK sendeklar melden.

Es war eine fast unvorstellbare Leistung.

Die Techniker wollten jedoch alles getan haben, damit „Bernds NOTENBANK“, ihre eigene Lieblingssendung, nicht ausfallen musste. Die Techniker und ich haben diese Sekunden nie vergessen. Den Chef, der meines Wissens nie eine eigene Fernsehproduktion als Autor oder Regisseur produziert hatte, sich also auf die "Beurteilung" schöpferischer Leistungen anderer beschränkte, hatten wir  jedenfalls gemeinsam ausgetrickst.

 

Na, was macht die Kunst?

 

So wurde die siebente Folge untertitelt. Wir hatten mehrere in der NOTENBANK ihr Debüt gegeben habende Bands und Solisten besucht und gefragt, was denn so aus ihnen geworden sei. In diese Sendung fügte ich dann den vorher gesperrten Puhdys-Titel „GEH' DEM WIND NICHT AUS DEM WEGE“ ein, der längst durch Funk und Platte bekannt geworden war.

Dort ohne Gegenwind.

 

Doch mein Redakteur hatte in anderer Sache etwas windiges mit mir vor. Diesem war von Hause aus Beat, Rock und Pop wenig vertraut. Er kam mehr aus der volkstümlichen Branche.  

Dazu gehörte wohl auch das Jodeln.

So wollte er mir einen Jodelbeitrag unterjodeln. Meine Begeisterung hielt sich

in sehr engen Grenzen.  

Er produzierte den Beitrag dann ohne mich und ich brauchte die Jodler nur noch zähneknirschend in die siebente NOTENBANK einzufügen.  

Mein Stoßseufzer lautete: das beste draus machen.  

Denn ein solch extrem anderer Beitrag müsste die NOTENBANK-Zuschauer ins Grübeln bringen. Ich denke, dieser „Kontrastbeitrag“ hat mir wortlos mehr geholfen als dem Redakteur…

 

ABC mit HALINA FRACKOWIAK

 

Beide hatten nicht wir engagiert, sondern der Rundfunk der DDR für ein Konzert im für solche Veranstaltungen berühmten Klubhaus der Eisenbahner in Berlin-Rummelsburg. Wir haben live mitgefilmt.

Bild und Ton also „total live“. Kein Playback.

Die Zusammenarbeit mit dem Rundfunk war sowieso gut. Extra für die NOTENBANK von uns produzierte Titel wurden ins Rundfunk-Repertoire übernommen. Ebenso umgekehrt. So ergab es sich, dass die allen DDR- Musikanten der Rock- und Pop-Sektion bestens bekannte und fast geliebte Rundfunk-Musikproduzentin LUISE MIRSCH mich fragte, ob ich einige Nachdichtungen für die polnische Band SKALDOWIE verfassen wolle. Ich tat es gern.

Damit begann meine Songtexter-Karriere sowohl für Originaltexte als auch für Nachdichtungen.  

So ergab sich auch die Idee, eine ganze NOTENBANK für Skaldowie zu reservieren. Natürlich nicht nur mit maywaldschen Nachdichtungen.

 

Daraus wurde

 

NOTENBANK extra

 

als achte Folge. Auch diese Sendung gibt es „eigentlich nicht mehr“… Trotzdem enthält diese DVD Ausschnitte daraus. Doch daran hat sich der Leser im Laufe dieser Geschichte sicher bereits gewöhnt, nicht wahr?

Die Band spielt zudem so fröhlich und flott, dass die geminderte technische Qualität des BFA-Fernsehbildes (dieser technische Begriff wurde weiter vorn erläutert) nicht ins Gewicht fällt.  

 

* * *           

 Nähern wir uns nun dem Ende der Geschichte. 


DIE NOTENBANK

endlich ohne Bernd Maywald?

 

So war es gedacht. Der Querulant sollte raus.  

Meine Regieassistentin und andere Kollegen wurden gefragt, ob sie die Sendung über- nehmen möchten. Bis auf einen sagten alle: auf Maywalds Kosten nicht.  Der verbliebene eine wäre aber dem Gesamtaufwand nicht gewachsen gewesen.

So versuchte man, die Sendereihe aus dem Bereich Fernseh-Unterhaltung in den Bereich Jugend umzusiedeln. Meine Planstelle gehörte zur Unterhaltung, nicht zum Jugend-fernsehen.

So wollte man mir die NOTENBANK  doch noch aus den Händen winden. Woraufhin ich meinem Chef sagte:

 

„Wenn NOTENBANK, dann nur mit mir oder mit jemandem, den ich für geeignet  halte, denn ich habe die Urheberrechte am Sendetitel.“  

 

Kurzer Sprachlosigkeit folgte schallendes Gelächter. Das wäre doch nicht mein Privatfernsehen usw.  

Ich blieb ruhig.  

Ich hatte das dicke DDR-Urheberrecht-Buch gründlich studiert. Wir hatten viele Rechte. Man musste sie nur wahrnehmen.

Weil ich im Fernsehfunk erheblich mehr NOTENBANK-Freunde als Gegner hatte, erfuhr ich bald, dass meinem Chef die Sache doch nicht ganz geheuer war. Denn er hätte beim Star-Rechtsanwalt  FRIEDRICH KARL KAUL eine Expertise zu den NOTENBANK-Rechten in Auftrag gegeben. Als diese vorlag, konnte ich sie eher lesen als mein Chef.

 

Ergebnis:  

Ich könnte bei anderweitiger, von mir nicht genehmigter Nutzung meiner Sendetitel-Idee erhebliche Schadenersatz-Forderungen stellen.

Die mich nicht überraschende Folge:

die Sendereihe wurde eingestellt.

Ein Drama? Nein.

Die Sendereihe hatte zur damaligen Deutsch-Rock-und-Pop- Entstehungszeit ihr Scherflein beigetragen. Bands gleichen Genres  traten inzwischen in „RUND“ und in anderen DDR- Fernsehsendungen auf. Es hätten sich also unnötige Überlappungen ergeben.

Die NOTENBANK hatte die von mir erwünschte Aufgabe erfüllt. -

 

Ende?

Moment:

 

Festes Gehalt für keine Arbeit

 

Das gab es.  

Die NOTENBANK war vorbei, andere Arbeit erhielt ich nicht.  

Ich bekam Gehalt für fast nichts.  

Da schlug ich zu.  

Ich beantragte bei der Konfliktkommission des Bereichs Fernseh-Unterhaltung (einer typischen und oft sehr erfolgreichen DDR-Instanz ähnlich einem Schlichter, doch kompetenter), dass mein Chef mir mehr Arbeit für mein gegenwärtiges Gehalt geben sollte.

Richtig: mehr Arbeit, nicht mehr Geld!

Das sprach sich herum. Sowas hatte noch keiner beantragt.  

Der Saal war brechend voll.  

Fast keiner der Mitarbeiter des Hauses wollte das Verfahren verpassen. Ich hatte zudem den alten Trick verwendet, zwei Vorwürfe geltend zu machen und vor Eröffnung des Verfahrens den unwichtigen Vorwurf zurückzuziehen. Auf diesen aber hatte sich mein Chef vorbereitet, auf den wichtigen Vorwurf kaum. Er kam ins Schleudern. Ich bekam Arbeit.  

Gute Arbeit.  

Und das für alle zehn Jahre, die ich noch beim Fernsehen blieb. Danach arbeitete ich frei- beruflich als Schriftsteller, als Denkmalpfleger, als dies und das. Alles machte Spaß. Der unter Fernsehkollegen feste Begriff „Maywalds NOTENBANK“ blieb unverändert. Sie war eben in der Tat meine Erfindung gewesen.  

 

Und außerhalb des ehemaligen Kollegenkreises?

Bei den Leuten, für die die Sendung gemacht war?

 

Im Jahre 2014 buchten wir Privatquartier für einen Kurzurlaub in Lutherstadt Eisleben.

Es empfing uns ein Herr, der sein Haar für heutige Zeitmode und sein durchaus reifes Alter eigentlich etwas zu lang trug.  

Er schaute mich seltsam an, so, als getraute er sich nicht, mich etwas zu fragen.

Als wir eingezogen waren, fragte er mich dann zögernd:

 

„Sagen Sie, sind Sie etwa der Bernd Maywald, der…?“

Das nach über vierzig Jahren.

- - - 

 Und:

Kürzlich besuchte ich ein großes Antiquariat mit Filialen in Berlin, Potsdam und in der Bücherstadt Wünsdorf. Ich hatte mein Buch „Besichtigung einer Windmühle“ Eulenspiegel Verlag Berlin 1986/1990 in Händen und fragte den Chef des Hauses Dr. MINX mit einem Augenzwinkern, ob er denn mein Werk bereits im Sortiment hätte.  

„Nein“, sagte er und fragte: „und was haben Sie sonst noch geschrieben?“

„Keine weitere Belletristik" antwortete ich, "aber viele Rocklyrics und Balladen für DDR-Bands und Nachdichtungen für ungarische, polnische und andere Bands."

Das war ja, wie bereits erwähnt, eine Folge meiner NOTENBANK-Arbeit.

Er: „Na, dann nennen Sie doch mal einen Titel.“

Ich nannte jenen Titel, von dem ich sicher bin, dass er die besten lyrischen Zeilen enthält, die ich je geschrieben habe. Der Titel erschien 1975 auf LP.

Ohne eine Sekunde des Nachdenkens sang er sofort diese meine Lieblingszeilen.

 Und das vier Jahrzehnte nach Erscheinen der LP. -

Es ist etwas geblieben von meinem Tun.

Was will ich mehr.

                                        

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